Glasfaserausbau im Stadtgebiet: Bürgermeister greift aktiv in den bestehenden Wettbewerb ein!

Wie den zahlreichen Presseberichten der letzten Wochen zu entnehmen ist, gibt es für Hadamar glücklicherweise nunmehr gleich zwei Dienstleister, die bis Ende 2022 die FTTH-Technologie (Fiber-To-The-Home, also Glasfaser bis ins Haus) in Hadamar und den Stadtteilen realisieren wollen. Zum Einen ist dies die Deutsche Telekom in Kooperation mit der Syna, zum Anderen Vodafone Deutschland zusammen mit Primevest Capital Partners.

Am 02.03.2021 haben alle Grundstückseigentümer ein offizielles Schreiben des Bürgermeisters der Stadt Hadamar erhalten, mit dem dieser den Bürgerinnen und Bürgern das Angebot von Vodafone nahelegt. Diesem Schreiben ist auch ein entsprechender Produkt-Flyer von Vodafone beigefügt.

Wir von Bündnis 90/ Die Grünen vertreten die Auffassung, dass Bürgermeister Michael Ruoff hiermit unzulässigerweise aktiv in den bestehenden Wettbewerb der beiden konkurrierenden Dienstleister eingreift. Man könnte auch die Schlussfolgerung hieraus ableiten, dass es sich um ein geschicktes, aber leider nicht durchdachtes Wahlkampfmanöver des Bürgermeisters handelt. Mit dem er zum wiederholten Male einen Erfolg für sich verbucht, den er überhaupt nicht zu vertreten hat. Schließlich waren es nicht zuletzt wir GRÜNE, die die seinerzeit durch Herrn Ruoff abgeschlossene Absichtserklärung öffentlich verurteilt und sich für eine Gleichbehandlung der Stadtteile stark gemacht haben! Diese Absichtserklärung hatte vorgesehen, Hadamar, Niederhadamar sowie Teile von Niederzeuzheim bis 2022 mit FTTH auszubauen. Erst nach 2024 sollten die anderen Bereiche des Stadtgebiets hiermit ausgestattet werden, wodurch die Stadtteile weiter abgehängt worden wären.

Deshalb setzen wir voraus, dass die Grundstückseigentümer zeitnah auch ein analoges Schreiben von Bürgermeister Ruoff mit dem Angebot der Deutschen Telekom erhalten werden. Ansonsten würde nämlich eine grobe Verletzung der Neutralitätspflicht des Bürgermeisters vorliegen, die ggf. auch rechtliche Konsequenzen für ihn zur Folge haben könnte.

In jedem Falle empfehlen wir aber den Bürgerinnen und Bürgern, aufgrund des jetzigen Schreibens des Bürgermeisters nicht vorschnell einen Vertrag mit Vodafone abzuschließen. Jedenfalls solange nicht, bis das Angebot der Deutschen Telekom auf dem Tisch liegt, und man die Leistungen und Konditionen der beiden Dienstleister miteinander vergleichen kann! Laut Angebot der Vodafone hat man ohnehin Zeit bis zum 31.05.2021 für einen Vertragsabschluss, bei dem man die dargelegten Vorteile (Grundstücksanschluss gratis und Installationspaket geschenkt) in Anspruch nehmen kann.

Marc Hannappel, 03.03.2021

* Benchmark bedeutet Vergleichsmaßstab
* Benchmark bedeutet Vergleichsmaßstab

Textergänzung:
 
Aktualisierung vom 4.3.2021


Fragen über Fragen:

 

Kommt mit der Telekomvermarktung eine „Grundsteuer Telekommunikation“, oder stellt sich die Telekom dem Mitbewerber mit günstigeren Preisen?
Wie kommen wir zu dieser Einschätzung? Einfache Überschlagsrechnung: Würden 50 % aller 6.000 Hadamarer Haushalte bei der Telekom ihren Glasfaser-Vertrag mit 1.000 MBit/s abschließen, dann würde sie im Vergleich zu Vodafone pro Jahr 800.000 € Mehreinnahmen erzielen. Also Augen auf beim Vertragsabschluss.


Warum holte die Stadt die Deutsche Glasfaser als bester Performer (siehe Vergleich/ Benchmark unten) nicht mit ins Boot?


Warum wurden die Vermarktungs-Anschreiben von Vodafone, die die letzten Tage alle Bürger:innen von der Stadt erhielten, auch an ehemalige Adressen von Bürgerinnen und Bürgern versandt? Ein Beispiel unter vielen: Eine Hadamarer Bürgerin war bis vor 31 Jahren in ihrem Elternhaus gemeldet. Sie zog aus und hat den uns wohlbekannten Vermarktungsbrief mit ihrem Mädchennamen bei ihren Eltern vorgefunden. Und dies ist kein Einzelfall! Hier wurde leider die Adressenauswahl für den Serienbrief nicht ordnungsgemäß durchgeführt (z.B. aktueller Abgleich der Meldedaten anstatt einen Brief an alle Bürger:innen zu versenden, die jemals in den letzten 35 Jahren in Hadamar gemeldet waren). Vielleicht, weil es wichtig war, den Brief noch vor den Wahlen zu versenden? Nach unseren Recherchen hat Vodafone bei einem baden-württembergischen Adressmakler die Daten eingekauft, allerdings ist der Versand offiziell über die Stadt Hadamar gelaufen.

 

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Aktueller Benchmark - Glasfaser-Kostenvergleich über 24 Monate
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