Volkstrauertag - Mahnwache für die Demokratie

(Kommentar von Bernd Scholz)

 

Volkstrauertag 17.11.2019,

Hadamar - Steinbach.

 

In diesem Jahr ist der Platz vor der Nothelferkapelle zentraler Ort der Stadt zum Gedenken, an die gefallenen der Kriege und der NS Opfer.

 

Die Menschen in unserem Land sind nach dem zweiten Weltkrieg

mit 74 Jahren Frieden beschenkt worden.

Die Bedeutung können besonders diejenigen nachfühlen, die es selbst erlebt haben.

Die Schmerz, Leid, Hass, Vertreibung, Vergewaltigung und den Krieg in seiner ganzen Sinnlosigkeit und Perversion miterleben mussten.

Jüngere Generationen sind immer weiter von diesen Ereignissen entfernt.

Habe keine Verwandten mehr, die von ihren grausamen Erfahrungen berichten können.

Dies ist einerseits ein unschätzbares Geschenk.

Andererseits ist es das Tor zur Gleichgültigkeit.

 

Uns zu erinnern macht also auch heute noch Sinn.

Wenn Familien aus Syrien zu uns fliehen, dann ist dieser Schmerz wieder zurück im hier und heute.

Das ist unangenehm zu sehen.

Für die Betroffenen und auch für die Menschen in unserem Land.

Das macht traurig.

 

Es macht wirklich Sinn sich zu erinnern.

Denn die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.

Sie ist die Folge des kompletten Zusammenbruchs im Anschluss an die NS-Zeit.

Viele Menschen haben sich geopfert um der Demokratie und 74 Jahre Frieden erst möglich werden zu lassen.

 

Heute ist die Welt wieder voll von Menschen, die es verlernt haben miteinander zu reden.

Stattdessen ziehen uns elektronische Medien in den Bann.

Soziale Medien gaukeln uns in ihren Echoräumen eine eigene neue, oft hasserfüllte Wirklichkeit vor.

Einen Raum, in dem sich die Antidemokraten besonders zu Hause fühlen.

In der sich ihre Saat aus Hass und Egoismus, grenzenlos und in Windeseile verbreiten kann.

Bei Gewaltdelikten auch in Limburg ist es manchen Menschen wichtiger die Tat zu filmen, als Hilfe zu leisten.

Nur um ihr eigenes EGO im Netz aufzupolieren.

 

Es wird immer weniger miteinander gesprochen.

Vor allem über die Grenzen hinweg, die uns voneinander unterscheiden.

Macht nicht erst die Erfahrung einer anderen Meinung ein Gespräch wirklich reichhaltig und interessant?

Ist es so erstrebenswert sich nur mit Menschen zu unterhalten, die stets die gleiche Meinung haben, wie ich selbst?

Wir müssen es wieder lernen aufeinander zuzugehen, Konflikte respektvoll miteinander aufzulösen.

Das andere als wertvoll zu schätzen, bis es möglicherweise die Grenze überschreitet, die wir Demokratie und Menschenrechte nennen.

Extremismus wo er sich zeigt, ob von rechts, von links oder aus einer Religion ist Einhalt zu gebieten.

 

Da braucht ein geschlossenes Auftreten der Gesellschaft.

Und es gibt wieder einige Menschen, die die Demokratie in Frage stellen.

Gefahr besteht dann, wenn die demokratische Mehrheit im Lande schweigt.

Es braucht Menschen, die im Kleinen und im Großen aufstehen, anpacken.

Menschen die diese Demokratie und dieses Land formen.

Die sich nicht von der Unbequemlichkeit der Politik abschrecken lassen.

Es braucht keine Menschen, die unablässig über die anderen, das andere und die Politik meckern.

Es braucht Menschen, Bürger dieses Landes, die vor ihrer Tür kehren und

die bereit sind selbst Verantwortung für die Demokratie und dieses Land zu übernehmen.

 

Und ich möchte an dieser Stelle einmal ganz herzlich den vielen jungen Menschen danken, die sich in diesem Jahr an den vielen Volkstrauertagen für das Klima auf diesem Planeten eingesetzt haben.

 

Der „Fridays for Future“ Bewegung, die weiter aktiv ist, sich verändert und uns alle mitnehmen will.

Sie haben uns mit vollem Recht wachgerüttelt.

 

Packen wir es an! Auch hier in Hadamar, vor unserer Tür.

 

bs/17112019