Grüne Waldwanderung mit dem Revierförster

Am Samstag, den 06. Juli 2019 trafen sich auf Einladung des neu gegründeten Ortverbandes von Bündnis 90/Die Grünen,
ca. 40 interessierte TeilnehmerInnen mit dem Hadamarer Revierförster Herrn Peter Schönke und dem Forstamtsleiter Herrn Werner Wernecke (HessenForst).
Start und Ziel war der Grillplatz vor dem Schützenhaus Diana in Niederhadamar.
Neben der Wanderung wollten sich die TeilnehmerInnen über den Zustand des heimischen Waldes informieren.
Beide Vertreter von HessenForst konnten angesichts des aktuellen Klimawandels die Sorgenfalten auf ihrer Stirn nicht verbergen.
Dabei sei die Entwicklung des Waldes hausgemacht. Der Mensch mit seiner Lebensweise trage die Hauptverantwortung für die Klimaveränderung, die auch Hadamar voll erreicht habe.
Es fehle an Regen, es fehle an Wasser.
Wenn der Mensch Durst hat, dann geht er an den Kühlschrank. Das ist dem Baum nicht möglich.
Aber auch im Bezug auf den Menschen, wird in einigen Regionen, unserer Breiten immer mehr über einen kommenden Trinkwassermangel gesprochen.

„Wer weiß, was da noch auf uns zukommt“, so der Forstamtsleiter Wernecke.

Wassermangel und Schädlingsbefall so Wernecke werden mittelfristig vermutlich 8 von 10 heimischen Baumarten vertilgen.
Die Fichte wird sicher gehen. Schon heute sind große Teile der Buche betroffen.
Die Lärche, die Esche, die Ulme und die Kiefer sind verschwunden oder werden verschwinden.
Die Veränderung der Wärmeentwicklung sein schon über viele Jahre zu verfolgen.
Der Wassermangel ist seit 2018 neu hinzugekommen.
So haben wir eine Veränderung in Kombination.
Langanhaltende heiße Sommer gepaart mit einem Wassermangel.
Und das sieht in 2019 genauso aus, wie in 2018.
Wälder, wie heute, werde es in Zukunft wohl nicht mehr geben.
Es drohen Landschaften, wie wir sie von Südeuropa her kennen.
Landschaften mit großen Freiflächen und keinem zusammenhängendem Waldbewuchs mehr.
Die Auswirkungen auf die Holzwirtschaft in der heutigen Zeit sind dramatisch.
Die Stadt als Auftraggeber für HessenForst erstellt vor Jahresbeginn einen Betriebsplan wie viel Tonnen Holzernte im kommenden Jahr eingefahren werden soll.
Derzeit ca. 3.500 qm Holz.
Das Problem dabei – durch die aktuelle Klimaentwicklung fällt ca. dreimal soviel Holz an.
Das ist natürlich deutschlandweit so und führt zu einem dramatischen Verfall des heimischen Holzpreises.
Zudem ist die Holzmenge so groß, dass Märkte in Übersee (z.B. in China) gesucht werden müssen, um überhaupt noch Erträge erzielen zu können.
China nutzt die Kiefer als Ersatz für einen Eukalyptusbaummangel.
Die Nachhaltigkeit des heimischen Waldes kann nicht gewährleistet werden, weil auf dem regionalen Markt nicht genügend Setzlinge vorhanden sind.
Der Preis ist zudem wegen der großen Nachfrage überteuert.
Setzlinge aus Nachbarregionen, wie z.B. aus dem Balkan können hier nicht verwendet werden, weil sie an einen anderen Lebensraum gewöhnt sind.
Unter der aktuellen Entwicklung ist damit zu rechnen, das es für die Holzwirtschaft, die privaten und die öffentlichen Waldbesitzer, einige Jahre geben wird, in denen überhaupt kein Holzverkauf mehr erfolgen kann, weil kein erntefähiges Holz mehr zur Verfügung steht.
So wird es keine Erträge geben. Dem stehen die weiterlaufenden Kosten gegenüber.
Da stellt sich die Frage, welche Betriebe diese wirtschaftliche Trockenzeit überstehen können.
Auch für die Stadt Hadamar sind Verluste zu befürchten.
Die Forstamtvertreter sehen, aufgrund der der Veränderungen die öffentliche Hand in der Verpflichtung die Forstwirtschaft zu unterstützen.

Forstwirtschaft funktioniert wie Weinanbau.
Was ich heute pflanze, wir seinen Ertrag erst in 60, 70 oder 80 Jahren haben.
Es kann frustrierend sein, so der Revierförster, wenn man sieht in welchem Zustand wir den Wald an die nächste Generation übergeben werden.
Zum Abschluss bedankten sich Veranstalter und Teilnehmer für den wirklich sehr informativen Nachmittag.
Es gab die Gelegenheit zu weiteren Gesprächen, sowie einer Stärkung und Erfrischung am Grillplatz.

Zur BürgerINFO: Die Stadt Hadamar hat den Vertrag mit dem Dienstleister HessenForst zum 31.12.2019 gekündigt.
Es folgt die Zusammenarbeit mit einem privaten Anbieter.

Der Vorstand der Grünen, vertreten durch die 1. Vorsitzende Sabine Hirler, den 2. Vorsitzenden Christoph Speier und den Moderator Bernd Scholz (Steinbach), bedankten sich bei den zahlreichen Besuchern.

 

Hier geht es zum 12 Punkte Plan des Landes Hessen, zum Schutz des heimischen Waldes.

 

Hier geht es zum "HR-INFO Podcast" zu "Klimaopfer hessischer Wald" vom 06.09.2019.

 

Hier geht es zum DOWNLOAD des Fraktionsbeschlusses der hessischen GRÜNEN vom 09.05.2019 zur "Waldkrise" in Folge des Klimawandels.

 

bs/07072019